Tabakabhängigkeit

Nikotin hat ein vergleichbares Abhängigkeitspotential wie Kokain oder Amphetamine und führt sowohl zu psychischer als auch zu physischer Abhängigkeit. Die Stärke der Abhängigkeit variiert von eher gering bis sehr stark. Die Dauer bis zur ersten Zigarette am Morgen sowie die Anzahl täglich gerauchter Zigaretten sind gute Indikatoren für die Stärke der Abhängigkeit. Nikotinabhängigkeit erfüllt die Kriterien einer Substanzabhängigkeit nach ICD-10 (internationale Klassifikation von Krankheiten) und ist durch Merkmale wie Entzugserscheinungen, Toleranzentwicklung, zwanghaftes und wiederkehrendes Verlangen nach Tabak sowie Gebrauch trotz Bewusstsein über die Gesundheitsschädlichkeit charakterisiert. Ungefähr 40% der Rauchenden in der Schweiz erfüllen die Kriterien einer Tabakabhängigkeit. Im Gegensatz zur Abhängigkeit von anderen Substanzen führt Tabak allerdings nicht zum Verfall der Persönlichkeit und es tritt kein typischer Rausch nach dem Konsum auf.

Entstehung von Tabakabhängigkeit – körperliche Prozesse

Der zentrale süchtig machende Stoff im Tabak ist das Nikotin. Von der chemischen Struktur ist Nikotin dem körpereigenen Botenstoff (Neurotransmitter) Acetylcholin sehr ähnlich. Dieser ist beim Menschen für die Übermittlung bestimmter Reize im Gehirn verantwortlich. Nikotin und Acetylcholin binden an den gleichen Rezeptoren im Gehirn und regen dort die Ausschüttung von mehr als 200 weiteren Botenstoffen und Hormonen an, die Glücksgefühle auslösen und auch unterschiedliche Körperfunktionen, wie z. B. Muskelbewegungen, regulieren. Durch das Rauchen wächst die Anzahl der Acetylcholinrezeptoren.

Durch das Binden an die Acetycholinrezeptoren wird Dopamin frei gesetzt. Das hohe Suchtpotential von Tabak kommt wohl vor allem durch den Einfluss von Nikotin auf das Dopaminsystem. Dopamin ist ebenfalls ein Neurotransmitter und wird im Volksmund auch Glückshormon genannt, da es ein Gefühl von Freude hervorruft. Der Belohnungseffekt des Rauchens entsteht wohl vor allem durch die Freisetzung von Dopamin. Das Gehirn gewöhnt sich schnell an den durch das Rauchen erzielten Dopaminanstieg und fordert immer grössere Mengen aufgrund der wachsenden Anzahl an Acetylcholinrezeptoren, was die Rauchintensität steigert (Toleranzentwicklung). Bei einem Nichtraucher hält die Wirkung von Nikotin 120 Minuten an, bei einem starken Raucher hingegen weniger als 30 Minuten. Beim Ausbleiben der Nikotinzufuhr kommt es zu Begleiterscheinungen bzw. Entzugserscheinungen, da der Auslöser für die Dopaminausschüttung fehlt.

Entstehung von Tabakabhängigkeit – psychologische Prozesse

Auch psychologische Faktoren spielen bei der Entwicklung von Abhängigkeit eine Rolle. Denn das Rauchverhalten ist stark vom individuellen Umfeld des Menschen abhängig und oft an bestimmte Rituale gebunden. Im Laufe der Zeit entsteht eine Kopplung des Rauchens an gewisse Situationen, Tätigkeiten oder Schlüsselreize. Diese lösen dann das Verlangen zu rauchen aus, so raucht man beispielsweise die Zigarette nach dem Essen, zum Kaffee oder Drink oder während eines Telefonats, weil sie einfach dazu gehört.

Hinsichtlich der Suchtentstehung müssen auch die Effekte von Vorbildern beachtet werden. So haben rauchende Eltern eine Vorbildfunktion für ihre Kinder. Die Werbung setzt die Identifikation mit positiven Vorbildern ganz bewusst ein, indem sie schöne, coole, glückliche Menschen usw. zeigt.