Der Prozess der Verhaltensänderung

In der wissenschaftlichen Literatur wird das Ändern eines gesundheitlich relevanten Verhaltens oft als ein Durchlaufen verschiedener Stadien beschrieben.

Absichtslosigkeit

In diesem Stadium hat man sich entweder noch nie Gedanken über eine Verhaltensänderung gemacht, oder hat zumindest nicht in absehbarer Zeit vor, ein ungesundes Verhalten umzustellen. Den meisten Personen in diesem Stadium sind die Risiken ihres ungesunden Verhaltens noch nicht bewusst.

Absichtsbildung

In diesem Stadium wird man sich der Risiken eines ungesunden Verhaltens immer bewusster und setzt sich verstärkt mit einer Verhaltensänderung auseinander. Dabei werden Vor- und Nachteile einer Umstellung abgewogen und der Entschluss (die Intention) gefasst, das Verhalten in absehbarer Zeit zu verändern.

Vorbereitung

In diesem Stadium ist man bereit, sein ungesundes Verhalten zu ändern. Die Verhaltensänderung steht kurz bevor, man unternimmt schon erste Schritte zu Vorbereitung dazu. Beispielsweise weiht man Freunde darüber ein, was man vor hat.

Handlung

In der Handlungsphase sind diejenigen, die ihr Verhalten geändert haben. Allerdings müssen sie noch Anstrengung aufwenden, um ihr neues Verhalten beibehalten zu können, da die Verhaltensänderung noch frisch ist.

Aufrechterhaltung

Personen, die seit mindestens sechs Monaten ihr geändertes Verhalten aufrecht erhalten, sind in dieser letzten Phase. Sie müssen nun nicht mehr ständig auf ihr Verhalten achten, sondern nur noch in bestimmten Situationen aufpassen, dass sie nicht in ihr altes, ungesundes Verhalten zurückfallen.

Im Prinzip bauen diese Stadien aufeinander auf und werden deshalb in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen. Das Modell muss aber als dynamisch betrachtet werden, es gibt auch ein Zurückfallen in frühere Stadien und die Stadien sind nicht immer klar voneinander abgetrennt, sondern gehen teilweise fliessend ineinander über.

Das Modell trifft mit Sicherheit nicht auf jede Person zu, die ihr Verhalten ändert. Es gibt zum Beispiel Personen, die sich sehr spontan zu einem Rauchstopp entscheiden und von einem Tag auf den anderen erfolgreich aufhören, ohne alle Stadien zu durchlaufen. Ausserdem hängt die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich aufzuhören, auch davon ab, wie stark jemand aufhören möchte – auch das wird mit dem Modell nicht erklärt. Ursprünglich wurde es für den Tabakrauchstopp konzipiert. Wie sehr es auch auf andere Verhaltensweisen zutrifft, ist nicht geklärt.